Ein Kommentar von Dr. Gunter Jess, MdL:

Nun ist es tatsächlich passiert. Das oberste Selbstverwaltungsgremium der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald hat am 18.01.2017, auf Antrag der Studentenvertretung, das Ablegen des Namens Ernst-Moritz-Arndt mit nur einer Stimme mehr als erforderlich beschlossen.

Es war der zweite Anlauf, nachdem der erste im Jahre 2010 am Widerstand der Mehrheit der Universitätsmitarbeiter (Professoren und Wissenschaftlichen Assistenten) gescheitert war. Nun, im Jahre 2017, haben letztere entweder resigniert, ob der Penetranz der Studentenvertreter, oder wirklich umgedacht. Wer weiß es schon?

Zwar muß diesem Beschluß des Senats noch eine Bestätigung durch das Ministerium folgen, es darf aber wohl kaum mit nennenswertem Widerstand der Landesregierung gerechnet werden. In diesem Falle muß man wohl sagen, richtigerweise, denn die Autonomie der Hochschulen hat ernst genommen zu werden und steht nicht zur Debatte.

Autonomie heißt aber auch, daß die Ernst-Moritz-Arndt-Universität die organisatorischen, finanziellen und ideellen Lasten dieser „Umfirmierung“ selbst zu tragen haben wird. Das sind zuallererst die Kosten, die nach Auskunft des Kanzlers voraussichtlich im fünfstelligen Bereich liegen dürften. Angesichts der regelmäßigen Unterfinanzierung der Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern dürfte dies der Universität durchaus weh tun.

Es gibt aber, im Zusammenhang mit der Namensablegung, zwei weitere Aspekte, die Wert sind, betrachtet zu werden. Das ist zum einen die Offenlegung eines, vorsichtig formuliert, fragwürdigen moralisierenden Geschichtsbewußtseins in der Akademikerschaft und zum anderen ihre weitgehende Entfremdung aus dem regionalen und historisch Realen.

Die Begründung des Antrags der Studentenvertreter zur Ablegung des Namens Ernst-Moritz-Arndt basiert auf den antisemitischen und franzosenfeindlichen öffentlichen Äußerungen Arndts. Seine unbestrittenen Leistungen für die bürgerliche Gleichstellung, für die Abschaffung der Leibeigenschaft und für die Herausbildung des deutschen Nationalbewußtseins und manches mehr werden von den Antragstellern geringgeschätzt. Seine politischen und schriftstellerischen Aktivitäten machen Ernst-Moritz-Arndt zu einer der herausragenden pommerschen historischen Persönlichkeiten. Der Name Ernst-Moritz-Arndt stand für eine Beziehung der Universität mit der pommerschen Region und ihrer Geschichte. Eine solche historische, regionale Beziehung ist den Antragstellern offensichtlich fremd, ja vermutlich sogar ein Dorn im Auge. Nicht wenige der Absolventen der Ernst- Moritz-Arndt-Universität hatten zu DDR-Zeiten aus dem Namen Ernst-Moritz-Arndt eine Ermutigung zum eigenständigen Denken und zur politischen Widerständigkeit abgeleitet – gegen eine diktatorische Vereinnahmung der eigenen Person.

Ich frage mich ernsthaft, was für ein Geschichtsbild ist den jungen Akademikern, die so forsch eine Persönlichkeit wie Ernst –Moritz-Arndt verurteilen, in unseren Schulen vermittelt worden?

Zeigt sich da nicht eine Überheblichkeit der Nachgeborenen, deren Anspruch auf Unfehlbarkeit und Deutungshoheit der Geschichte für die Zukunft nichts Gutes verheißt?

In der Bibel wird Jesus in der Geschichte über die Steinigung der Ehebrecherin zitiert: “Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Die Mehrheit des Senats der Ernst-Moritz-Arndt-Universität hat mit dieser Entscheidung, die Steinigung der historischen Person Ernst-Moritz-Arndt vollzogen.

Stephan Grabow
Eingestellt von Stephan Grabow
Schatzmeister
Alternative für Deutschland
Kreisverband Vorpommern – Greifswald